Jilody’s Blog

Nemo me impune lacessit

Kapitel 2

 

 

 

- 2 -

 

 

Revner war ein großer Mann. Doch er vermochte sich zu verstecken wie kein Zweiter. In diesem Moment hielt er sich im Zimmer einer leer stehenden Wohnung auf. Mit wunderbarer Aussicht direkt in das Großraumbüro der Telefonzentrale einer der Polizeistationen. Die rot blinkenden Lichter an all den Kabinen verrieten ihm, auch ohne die unübersehbare Hektik auf der Straße, dass etwas von großem Ausmaß geschehen war. Und der Blick hinüber zum Kaufhaus erschien beinahe überflüssig. Eigentlich aber hatte Revner in diesem Moment gar nicht das Bedürfnis seinen Kopf zu wenden.

» Du hast ziemlich lange gebraucht, um mich zu finden.«, sagte er gelassen.

» Sieben Stunden, zweiunddreißig Minuten und…«, der Mann riskierte einen flüchtigen Blick auf seine Armbanduhr. »Dreizehn Sekunden.«

Revner hob eine Augenbraue an und schnaubte. Er schien seinen Besuch aus dem Augenwinkel zu betrachten, tatsächlich aber war die Waffe, die dieser an seine Schläfe hielt, wesentlich interessanter. Dabei entging ihm das Zittern des Mannes nicht. Er schnaubte erneut. Sie verharrten nun schon seit einer scheinbaren Ewigkeit in dieser Position. Aber immerhin durfte er sitzen. Er sah erneut aus dem Fenster und betrachtete die Spiegelung seiner selbst und des Bewaffneten darin. Sie ergaben zusammen ein bizarres Bild. Der kleine Mann wirkte keinesfalls wie jemand, der definitiv die Überhand hatte. In seinen Augen zeigte sich die Furcht eines Menschen, der wusste, dass sein Gegenüber ihm haushoch überlegen war und dass die Waffe in seiner Hand nicht viel mehr ausrichten konnte als eine Büroklammer. Dagegen war Revners Blick allein Grund genug zur Annahme, dass in seinen Händen eine Büroklammer zum ernsthaften Problem werden konnte.

» Wie ich sehe hat sich die Ausrüstung, mit der sie ihren Jäger ausstatten, um einiges gebessert. Schön zu sehen, dass ihnen mein Kopf doch etwas wert ist., sagte Revner beiläufig, ohne seinen Blick vom Fenster zu nehmen. Jedoch – sie schicken immer und immer wieder denselben Idioten.«

Kaum hatte er seinen Satz zu Ende gesprochen, vollführte Revner eine schnelle, doch zugleich wuchtige Bewegung. Ein einfacher Stoß der offenen Hand, mit einer Leichtigkeit, die Revners Statur Lügen strafte. Doch obwohl sie so mühelos erschien, reichte es um den Bewaffneten einige Schritte zurückzuwerfen. Als dieser sich hektisch nach seiner Waffe umsah und gerade erkannte, dass er sie vor Schreck fallen gelassen hatte, musste er mit ansehen, wie Revner sie bereits in Händen hielt und sich langsam erhob. Der schlaksige Mann gähnte, streckte sich, grinste dann schief und sagte: »Eine Pistole ist eine Fernkampfwaffe.«

Revner zielte und schoss.

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