Jilody’s Blog

Nemo me impune lacessit

Kapitel 1

 

 

 

 

– 1 -

 

»So unbekümmert… Hast du eigentlich Sorgen, kleiner Frosch? Du springst umher, verharrst ein wenig, siehst dich um und suchst dann weiter deine Wege. Sicherlich weißt du, wohin du als nächstes gehen wirst. Wo du aber enden wirst, darüber machst du dir keine Gedanken.

Oder doch?

Vielleicht liegt es daran, dass du nichts verstehst, vielleicht aber verstehst du sehr viel mehr als ich und deswegen kannst du so sorglos umher hüpfen. Das ist eigentlich gar nicht so absurd, wie es sich anhört, verstehe ich im Moment doch eigentlich überhaupt nichts…«

 

Juely sprach ihre Gedanken oftmals laut aus. Manchmal war es hilfreich, meistens jedoch aneckend. Sie hatte es aufgegeben die Fettnäpfchen zu zählen, in welche sie mit dieser Eigenart schon gestürzt war. Stattdessen freute sie sich einfach auf viele weitere, die noch folgen mochten.

In Anbetracht dessen, dass sie zu diesem Zeitpunkt einem Frosch ihre Gedanken kundtat, mochte man vielleicht meinen, dass Juely nicht ganz beisammen war und tatsächlich: Sie selbst zweifelte seit einigen Stunden schon ganz entschieden an ihrem Verstand.

Die junge Frau erhob sich aus der unangenehmen Hocke, ließ den Blick vom Frosch über den See, den Hügel hinab und schließlich zur Stadt schweifen. Eine Säule aus Rauch und Staub erhob sich zwischen den Gebäuden.

»Egal wie oft ich hinsehe…«, doch die Säule sprach eine deutliche Sprache. Juely blickte ein letztes Mal hinab zu ihren Füßen, zwischen Halme und Blätter. Der kleine, gelb-grüne Frosch sprang just in diesem Augenblick davon. Es erschien ihr wie eine Aufforderung zu gehen und so ging sie.

 

Oft geschahen seltsame Dinge. Dinge, die Juely nicht verstand, oder erst sehr viel später verstehen sollte. Niemals jedoch war ihr etwas Derartiges widerfahren, etwas, das sie nicht glauben konnte, ja, sogar nicht glauben wollte. Niemals bis vor… Juely sah auf die Uhr. »Exakt drei Stunden.« Doch auch jetzt, drei Stunden später also, fühlte sie sich immer noch unwirklich und ihre Gedanken schossen kreuz und quer, möglichst so, dass sie keinen Sinn ergaben. Sie blieb stehen und richtete ihre Augen zaghaft erneut auf die Rauchsäule inmitten der Stadt. Sie markierte die Stelle, an der vor drei Stunden noch ein intaktes Kaufhaus gestanden hatte.

Und Juely war dabei gewesen, als dieser Zustand sich radikal verändern sollte.

Je näher sie der Stadt kam, desto lauter wurde auch der übliche Geräuschpegel. Autos, Bahnen, Menschen, Hunde, Vögel und inmitten dieser Kulisse das befremdliche Heulen vielerlei Sirenen. Einige Zeit später, als die Stadtmitte auf Sichtweite herangerückt war, wurden Juleys Augen regelrecht geblendet von all den sich drehenden Lichtkegeln der Rettungs-, Lösch- und Polizeifahrzeugen. Menschen aus allen Himmelsrichtungen waren heran geeilt und eilten immer noch. Inmitten dieser Menge war sie es, die so befremdlich langsam an die Absperrung herantrat, um mit leerem Blick die Umgebung zu mustern. Oder vielmehr das, was noch davon übrig war.

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