Jilody’s Blog

Nemo me impune lacessit

Prüfungen

PRÜFUNGEN

Gedanken zum Thema Prüfungen in der Kampfkunst

Trügerisch ist es, wenn es heißt: Die Prüfung beginnt um 14 Uhr am Samstag. Man stellt sich darauf ein, übt seine Formen, ist wahrscheinlich aufgeregt und hat vielleicht sogar ein wenig Angst. Lassen wir die wenigen Stunden, am Samstagmorgen, vor 14 Uhr geschehen. Sie sind geprägt von leidenden Fingernägeln, hoffentlich einer letzten Dusche, dem Packen der Tasche, dem fünfmaligem Nachsehen, ob man auch nichts vergessen hat… vielleicht von lauter Ablenkungsmusik, dem Abrufen verschiedener Bahnen, vielleicht auch von Auf- und Abhüpfen. In den meisten Fällen jedoch stehen zwei Gedanken im Vordergrund: “Was kommt auf mich zu?“ und “Werde ich es schaffen?“

Das zweiteres teilweise sogar von ersterem abhängt und das ersteres ein Mysterium ist, welches hoffentlich noch lange keiner dem anderem verraten wird, ist hierbei unwichtig. Denn es ist nicht die Antwort auf diese Fragen, die relevant ist, viel relevanter ist der Gedanke an sich. Er zeigt, dass etwas nicht verstanden wurde. Die Prüfung beginnt nicht um 14 Uhr und auch wenn sie offiziell um 17 Uhr enden mag, ist sie deswegen beim Abgruß noch lange nicht vorbei. Sie mag erschreckend sein, die Erkenntnis, dass weder ein deutlicher Anfang, noch ein Ende, mit Genauigkeit festgelegt werden kann. Sie hat schon lange bevor diese Gedanken gegenwärtig wurden begonnen und wird noch präsent sein, wenn man schon gar nicht mehr daran denkt.

Wenn der Meister einen zur Prüfung zulässt, dann wird er dies nicht tun, weil er eine Münze geworfen hat und das Beste hofft. Er hat Dich beobachtet, hat deine Fehler gesehen und die Entwicklung der Dinge verfolgt. Er sieht deine Disziplin (und damit ist nicht nur die verhaltenstechnische, sondern auch die, zu sich selbst gemeint), die Ernsthaftigkeit hinter deinen Worten und Taten, deine Beweggründe und natürlich auch deine Technik. Darfst du eine Prüfung ablegen, hat das, wovor Du Angst haben magst, schon längst begonnen. Auch wenn du es vielleicht nicht gemerkt hast.
Das Ende der Prüfung verhält sich ähnlich. Da wo der Meister gesehen hat, dass du auf etwas hinarbeitest, beobachtet er dich natürlich auch im Nachhinein. Das, was dir auf deinen Weg mitgegeben wird, gilt verarbeitet zu werden. Doch wie soll man das tun, ohne im Training zu sein? Wer nach einer Prüfung also auf Training verzichtet, schneidet sich damit ins eigene Fleisch. Zu jeder Prüfung bekommt der Prüfling soviel mitgegeben, dass er lange daran zu nagen hat – wer fern bleibt von seinen Einheiten, der kann nicht nagen und wird das Brett vor dem Kopf eben behalten. Und während andere zur nächsten Prüfung schon weitaus anspruchsvollere Dinge lernen dürfen, wird der weniger Fleißige blind dafür bleiben. Selbstbetrug.

Das bringt einen zu der Frage: Wenn eine Prüfung weder bestimmten Anfang, noch ein fixes Ende hat, werde ich dann nicht grundsätzlich ständig geprüft? Hierbei kommt man an diese Grenze, welche verlangt, dass der KungFuler aufhört sein Tun als Hobby anzusehen, sondern anfängt seine Philosophie zu leben. Denn dann kann die Frage wie folgt beantwortet werden: Wir werden jeden Tag aufs neue in irgendeiner Hinsicht geprüft und sei es nur beim morgendlichen Aufstehen. Schon hier trennen sich die Gemüter. Der eine weiß sich zu beherrschen, weiß sich zu quälen. Der andere verschläft.
Und wenn wir uns dann aus dem warmen Bett gekämpft haben, bleiben wir dann der Arbeit/Schule fern? Nein! Warum also nach bestandener Prüfung vom Training fern bleiben?

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